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FEGler

Folgende Geschichte von H. L. Gee habe ich adaptiert und finde sie
zum Schmunzeln:

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Ich habe ihm den Wind aus den Segeln genommen und ihm gerade selbst gesagt, was  er mir sagen wollte! So habe ich ihm ein Schnippchen geschlagen, wie ich denke, wie ein streitbarer FEGler es sollte. Nein, ich mache keine Entschuldigung für mein Benehmen auf der Bahnfahrt von Zürich nach Basel.

 

Er und ich sassen im selben Abteil und er beeindruckte mich von Anfang an mit seiner Überlegenheit. Er war gut gekleidet und sprach lange Zeit von sich selbst. Als er aber anfing, die Religion und den christlichen Glauben anzugreifen, sass ich bolzengerade. Als er fragte, was ich darüber dachte, sagte ich ihm, ich sei ein FEGler. Er war belustigt! FEGler, sagte er, «das ist ein Haufen! Eine Truppe von Frömmlern, wenn Sie meine Meinung wissen wollen. Es ist nicht lange her, da las ich von einem FEGler, der verschwand mit 2000 Franken aus der Kollekten-Kasse.
In der 20Minuten ist’s gestanden!

 

«Ach», sagte ich, «das ist gar nichts. Ich kenne einen FEGler, der verschwand mit der Frau eines andern. Und ich

kenne zwei FEGler, die nur wegen ihres Geschäftes regelmässig zum Gottesdienst gehen …»

«Ja, aber ich denke, Sie sagten …» «Und wissen Sie, ein paar von den fanatischsten Menschen, die es gibt, sind FEGler. Und in manchen unserer Gemeinden haben wir Frauen, die sind die schrecklichsten Klatschbasen,

und es gibt Prediger, die können nicht predigen – und ich kannte einen FEGler, der war gewalttätig veranlagt, und einen, der war so geizig, dass er zwei Kilometer lief, um das Busgeld zu sparen, einer ist ein Trinker und manche beten  am Sonntag und am Montag ist’s nicht auszuhalten mit ihnen und neulich …» «Aber dann sind Sie doch kein FEGler?» «Lieber Himmel», rief ich, «was bringt Sie auf den Gedanken?» «Na, wie Sie reden …»

«Aber lieber Freund, ich habe doch kaum angefangen, über diese FEGler zu reden – wenn Sie meinen, Sie können ihnen etwa am Zeug flicken, glauben Sie mir, das kann ich viel besser als Sie! Meine Güte, es gibt FEGler – so genannte –, dass ich mich darüber schäme; und der Schlimmste von allen sitzt Ihnen gegenüber. Aber wenn

ein paar von ihnen eine so traurige Sorte sind, bedeutet es dann, dass sie alle die Religion nur als Deckmantel benutzen? Alle nichts taugen? Mein lieber Mann, wir sind schon ein Haufen, wie Sie sagen, und es gibt schlechte FEGler, ganz sicher! Aber auch Gute, Gott sei Dank! Und zwar mehr, als ich – der ich die FEGler ziemlich gut kenne

– je aufzählen könnte, zehntausende und hunderttausende auf der ganzen Welt! Sie sind freundlich, anständig  und treu. Sie glauben mit ganzer Seele, mit ganzem Gemüt an die Liebe Gottes und die Gnade unseres Herrn, und sie versuchen, das zu bezeugen, wohin sie auch kommen. Und sie sind eine fröhliche Truppe, das sollten

Sie mal erleben, und singen können die, ob es nun Tausende sind oder nur ein Dutzend in einer kleinen Kirche. Sie sind eine freundliche Truppe, sie teilen ihre Freude und tragen einander die Lasten.

 

Warum beim Himmel ein paar schwarze Schafe herausgreifen? Sie betrachten sie kritisch von aussen her.
Aber ich stehe drin und liebe sie!

Und diese Liebe hilft einem, das Beste herauszufinden und Gott dafür zu danken. Ich bin FEGler, und so stolz auf die FEGs, dass es mich demütig macht, denn ich kenne grosse Seelen, durch die das Licht und Gottes Liebe in die Welt scheint, wenn auch nur trübe, aber es scheint!» Und da waren wir in Basel. So gab ich ihm den Rest meines Sandwichs und meinen Segen und sagte: «Sie würden einen wunderbaren FEGler abgeben, alter Junge, wenn nur Ihr Herz von Gott erwärmt würde!», und dann verliess ich ihn.

 

Herzliche Grüsse

Stefan Kym