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Gelebte Evangelisation

Wenn das Leben lauter spricht als Worte

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Im Januar 1956 erreichte eine Nachricht die Welt, die viele erschütterte – und zugleich etwas in Bewegung setzte, das bis heute wirkt. Fünf junge Missionare – unter ihnen Jim Elliot und Nate Saint – hatten versucht, Kontakt mit einem isolierten Stamm im ecuadorianischen Regenwald aufzunehmen: den Waorani (auch Huaorani genannt). Doch bei ihrer Landung am Curaray-Fluss wurden alle fünf Männer von Stammesmitgliedern getötet.

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Was damals wie ein tragisches Ende aussah, wurde der Anfang einer erstaunlichen Geschichte. Denn einige Zeit später kehrten Elisabeth Elliot (die Witwe von Jim) und Rachel Saint (die Schwester von Nate) in denselben Dschungel zurück – nicht mit Rache oder Angst, sondern mit Liebe, Geduld und offenen Händen. Sie lebten unter den Waorani, lernten ihre Sprache, teilten ihren Alltag, halfen, wo sie konnten. Und genau das veränderte Herzen: Die Menschen sahen, dass diese Frauen den Glauben nicht nur predigten – sie lebten ihn.

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Eine Waorani-Frau, Dayuma, die den ersten Kontakt hergestellt hatte, wurde Christin und begann, anderen von Jesus zu erzählen. Mit der Zeit kamen viele ihres Volkes zum Glauben, Gewaltspiralen hörten auf, Familien versöhnten sich. Heute existieren dort Gemeinden, gegründet durch jene, die einst voller Furcht vor Fremden lebten.

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Das Evangelium hat Kraft, wenn es sichtbar wird. Evangelisation ist nicht zuerst ein Programm oder eine Kampagne – sie beginnt im Herzen. In der Art, wie wir anderen begegnen. In der Geduld, dem Zuhören, dem Dasein. Manchmal braucht es keine grossen Worte – «nur» ein Leben, das glaubwürdig leuchtet. Vielleicht spüren wir im Alltag: Wir sind nicht perfekt, wir haben keine grossen Bühnen. Aber genau dort, wo wir sind – in der Nachbarschaft, das offene Ohr, im Beruf, eine beständige Hingabe, in unserer Familie, Liebe und Verständnis, das Gebet für jemanden in Not – so können wir die Liebe Christi sichtbar machen. Und wer weiss: Vielleicht beginnt auch in unserem Umfeld eine Geschichte, die Menschen verändert, weil jemand in uns Jesus erkennt.

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Menschen spüren, ob wir von einer Idee sprechen – oder von einer lebendigen Beziehung. Evangelisieren bedeutet nicht, jemanden zu überreden oder zu überzeugen. Es bedeutet, ein Zeuge der Hoffnung zu sein, die in uns lebt (vgl. 1Petr 3,15: Ehrt vielmehr Christus, den Herrn, indem ihr ihm von ganzem Herzen vertraut. Und seid jederzeit bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der euch auffordert, Auskunft über die Hoffnung zu geben, die euch erfüllt.).

 

Es ist das Teilen eines Schatzes, nicht das Aufdrängen einer Meinung. Evangelisation beginnt, wo jemand sagt: „Hier bin ich, Herr – gebrauche mich.“ Nicht, weil wir perfekt sind, sondern weil wir bereit sind. Denn Gott schreibt Geschichte – auch mit uns. Möge unser Leben zu einer Einladung werden: Komm und sieh (Joh 1,46). Nicht durch Druck, sondern durch Licht. Nicht durch Lautstärke, sondern durch Liebe.

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In den ersten zwei Monaten des anbrechenden Jahres wollen wir uns mit dem Thema: Evangelisieren = (Evangelium weitergeben) auseinandersetzen und verschiedene Facetten kennenlernen, die uns motivieren und befähigen.

 

Herzlichst verbunden

Stefan Kym

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