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Weide meine Schafe

Aus dem Leben eines Leitungsrates

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Vielleicht hast du dich schon mal gefragt, wie oft sich der Leitungsrat trifft, wie Entscheidungen gefällt werden und weshalb nicht über alles bis ins letzte Detail orientiert wird. Wir wollen etwas Licht ins Dunkle bringen.

 

Älteste im Neuen Testament

 

Zum Verständnis: Leitungsräte sind bei uns die «Ältesten». Der Name wurde vor langer Zeit geändert, damit sich auch kirchenferne Menschen etwas unter diesem Amt vorstellen können. «Älteste» wurden von Beginn der Apostelgeschichte in die neuen Strukturen der Gemeinde eingeführt und es gibt einige Kriterien zu erfüllen (Apg. 14, 23, Titus 1, 5). Älteste stehen der Gemeinde vor. Dabei geht es nicht – wie man glauben könnte – um mehr Macht, sondern um Ordnung. Jesus mutet der Gemeinde nicht zu, dass sich jeder um alles kümmern muss, sondern jeder hat seine Aufgabe. So ist Ältester nichts anderes als eine Aufgabe. Und Jesus hat die Aufgabe klar umschrieben:

 

Er sagte zu Petrus: «Weide meine Schafe». Und Petrus gibt diesen Auftrag in 1. Petrus 5, 2 an uns weiter: «Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist, und achtet auf sie…».

 

Viele verschiedene Entscheidungen, mit einem klaren Plan...

 

Weiden bedeutet dafür zu sorgen, dass die Herde, bzw. die Gemeinde mit dem versorgt wird, was sie braucht. Das war zu Beginn in der Apostelgeschichte sogar wörtlich gemeint. So wurde für Nahrung, Obdach und für Finanzen gesorgt. Heute konzentriert es sich zumindest in der westlichen Zivilisation mehrheitlich auf geistliche Dinge. So drehen sich viele unserer Tätigkeiten um alltägliche Dinge, welche ein «Schafsbetrieb» benötigt. Dabei freuen wir uns, dass Gott der Gemeinde in Effretikon so einen wunderschönen Stall geschenkt hat. Wir sind dankbar über alle die, welche Nahrung verteilen, sprich predigen. Es braucht Seelsorge, Schulungen, Planung usw. Es gibt viele Entscheidungen zu treffen.

 

Dabei fokussieren wir uns jedoch auf einen klaren Plan: Entspricht das, was wir tun unserem Kernauftrag von Jesus? In Matthäus 28, 19 sagt Jesus «(Darum) gehet hin und lehret alle Völker. Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes 20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe».  

 

Wir würfeln also bei unseren Entscheidungen nicht, oder orientieren uns an unseren Vorstellungen oder Wünschen. Wir beten und brüten darüber, ob das, was wir tun (wollen) dem Auftrag, den Jesus uns gegeben hat, dient oder nicht. Dabei achten wir darauf, dass sowohl die Arbeit nach «innen», also Arbeiten, die in erster Linie Christen dient, als auch die Arbeit nach «aussen», Menschen für Jesus zu gewinnen, im Einklang mit dem Auftrag sind.

 

Ein Beispiel…

 

In den letzten Foren oder auch in verschiedenen Predigten haben wir viel über «Wachstum» gesprochen.

 

Jesus fordert uns auf, seine Schafe zu weiden und er fordert uns auf, Menschen zu ihm zu führen. Neue Menschen bedeutet, dass der Stall vielleicht grösser oder anders eingerichtet werden muss. Jesus führt Schafe zum Stall, nicht wir!

 

Und weil wir als Älteste für das Weiden zuständig sind, fragen wir uns regelmässig, ob der «Stall» die richtige Grösse hat, wo wir neue Schafe unterbringen können, ob sie genug Nahrung haben, weshalb sich andere Schafe nicht wohl fühlen und ob es ein paar schwarze Schafe darunter hat… nein das fragen wir natürlich nicht…. Aber wir fragen uns regelmässig, ob heimatlose Schafe davon gehört haben, dass es einen Heimatstall für sie gibt. Unser Bestreben ist, dass alle in Effretikon und Umgebung vom guten Hirten hören.

 

Schafe vertrauen ihren Hirten, aber…

 

Es ist eine altbekannte Tatsache: Vertrauen muss man sich verdienen. Es ist aber auch eine bekannte Tatsache, dass man nicht blind vertrauen soll. So sind wir dankbar und schätzen es, dass wir als Gemeinde im Dialog sind, Veränderungen rege diskutiert und zuweilen auch hinterfragt werden. Blinder Gehorsam gilt nur gegenüber Jesus, nicht gegenüber seinem Bodenpersonal, denn das ist fehlerhaft. Auf der anderen Seite hoffen wir aber auch, unser Vertrauen in den letzten Jahren ein Stück weit gewonnen zu haben. Vieles hat sich im Laufe der Zeit als richtig erwiesen.

 

So stehen wir als Leitungsrat immer in der Herausforderung, einerseits Vertrauen zu schaffen und so zu informieren, dass unsere Schritte nachvollziehbar sind und andrerseits Dinge (demokratisch) durchzusetzen, von denen wir als Hirten überzeugt sind, dass sie dem Auftrag aus Math. 28 entsprechen, auch wenn diese nicht für alle gleich nachvollziehbar sind. Das braucht Verständnis bei allen Beteiligten.

 

Ebenso können wir nicht offen über bestehende Konflikte reden. Zum einen aus seelsorgerlichen Gründen zum anderen auch, weil wir nicht über andere Personen sprechen (wollen). Das führt dazu, dass Dinge unausgesprochen im Raum stehen, beispielsweise wenn Menschen uns verlassen oder wir in Teams Spannungen haben. Hier offen zu kommunizieren ist nicht möglich. Auch da braucht es das Vertrauen, dass alle Beteiligten nur das beste wollen und wir gemeinsam daran sind, Konflikte zu lösen.

 

Kurzum: Wir wollen einander vertrauen. Das erleichtert den Alltag des Leitungsrates, das erleichtert den Alltag von allen und wir können uns gemeinsam auf unseren Plan, auf unseren Auftrag konzentrieren: Geht hinaus und lehret…

 

Ja, wir wollen hingehen, lehren sowie Jüngerschaft pflegen. Wir danken allen von Herzen, die uns dabei unterstützen, durch Mitarbeit, Gebet und Finanzen.

 

Cyrill Schneider

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